Rebecca Ketelhohn, die VITA
1966 im damals noch gemütlichen Berlin
hat se wohl zum ersten Mal geschrien,
doch sicher nicht zum letzten Mal,
denn die Schule bracht so manche Qual.
Rebecca wollte lieber spielen, träumen,
phantasieren in diesen unansehnlich‘ Räumen.
Mit Wort und Farbe was erschaffen
und Löcher in den Himmel gaffen.
Anstatt Latein, Grammatik, Algebra,
Quintenzirkel, Volleyball und bla, bla, bla.
Was Ordentliches lernt später dann
in Steglitz bei ’nem Rechtsverdreher-Mann
Rebecca, mit den großen grünen Augen,
die für Bilder statt zu §§§ taugen.
Sei brav und auch recht angepaßt!
Dies war Rebecca doch verhaßt.
So ging sie in das Haus von Lette,
Kleider, Röcke, Hosen und Korsette.
Und schwang den Zeichenstift voll Wonne,
die Schreibmaschine wandert in die Tonne.
Nach Prenzelberg mit Ofen, 3. Stock,
zog Rebecca schwanger in den hippen Block.
Die holde Emma ward geboren,
sie tanzten – mitunter recht verloren.
Endlich griff sie nach Pinsel und nach Farben,
zu Anfang mußte sie sich dolle plagen.
Doch nach langen harten Jahren
- Du kannst se gelegentlich danach befragen –
wollt nur an düst‘ren Tagen sie verzagen.
Nun werkelt sie auf Schönhof bei Chorin.
Das ist im Norden vom wus’ligen Berlin,
wo scharwenzelt nun so mancher Schwabe,
auf Feld und Wies‘ sucht die Rebecca Licht und Farbe.
4. Januar 2023, Schönhof